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dann erkennen Sie, dass der Bluthochdruck als Verursacher für den Schlaganfall definiert wurde. Folglich war der therapeutische Versuch unternommen worden, diesen zu senken, und zwar mit Antihypertonika. Außerdem wurde ein Arzneimittel gegen eine mögliche Hirnblutung verordnet, und eines gegen die Schlaflosigkeit. Für jedes Symptom wurde ein anderes Medikament oder mehrere (z.B. gegen den Bluthochdruck) verordnet. Bei dieser Art der Therapie entsteht klar der Eindruck, dass die behandelnden Ärzte die Symptome als unabhängig voneinander, ohne Vorgeschichte und abgetrennt von der Patientin betrachten. Auch eine Wechselwirkung der vielen Medikamente untereinander wird vernachlässigt. Die Patientin schreibt: ,,Ich war tagsüber todmüde, schlief beim Lesen immerzu ein, nachts konnte ich dafür kein Auge Zutun." Diese Beschwerde ist bereits eine Folgeerscheinung durch die Antihypertonika. Damit sie nachts schlafen konnte, wurde ihr ein Schlafmittel verordnet.

Wie Sie, neben den vorgängig geschilderten, auch an diesem Fall erkennen können, ist diese Standardtherapie voller Widersprüche und hoch spekulativ. Eine Heilungsaussicht durch diese Therapie bestand zu keiner Zeit. Selbst der unheilsame Versuch, die Symptome zu unterdrücken, scheiterte.

Dazu ein Kommentar Hahnemanns:

Samuel Hahnemann, Organon der Hei/kunst, 6. Auflage:

§ 58.

,,Wenn ich auch bei Beurtheilung dieser Arznei-Anwendung den Umstand übergehen wollte, daß hierbei sehr fehlerhaft, bloß symptomatisch verfahren (s. Anm. zu §. 7) d.i. nur einseitig für ein einzelnes Symptom, also nur für einen kleinen Theil des Ganzen gesorgt wird, wovon offenbar nicht Hülfe für das Total der Krankheit, die allein der Kranke wünschen kann, zu erwarten ist, - so muß man doch auf der andern Seite die Erfahrung fragen, ob in einem einzigen Falle solchen antipathischen Arzneigebrauchs, gegen eine langwierige oder anhaltende Beschwerde, nach erfolgter, kurz dauernder Erleichterung, nicht eine größere Verschlimmerung der so palliativ Anfangs beschwichtigten Beschwerde, ja Verschlimmerung der ganzen Krankheit erfolgte? Und da wird jeder aufmerksame Beobachter übereinstimmen, daß auf eine solche antipathische, kurze Erleichterung jederzeit und ohne Ausnahme Verschlimmerung

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