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so müssen, unter Mithinsicht auf etwaiges Miasm und Beachtung der Nebenumstände (§ 5), es auch einzig die Symptome sein, durch welche die Krankheit die, zu ihrer Hülfe geeignete Arznei fordert und auf dieselbe hinweisen kann - so muss die Gesamtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach außen reflectierende Bild des inneren Wesens der Krankheit, d. i. des Leidens der Lebenskraft, das Hauptsäch-lichste oder Einzige sein, wodurch die Krankheit zu erkennen geben kann, welches Heilmittel sie bedürfe, - das Einzige, was die Wahl des angemessensten Hülfsmittels bestimmen kann - so muss, mit einem Wort, die Gesammtheit* der Symptome für den Heilkünstler das Hauptsächlichste, ja Einzige sein, was er an jedem Krankheitsfall zu erkennen und durch seine Kunst hin wegzunehmen hat, damit die Krankheit geheilt und in Gesundheit verwandelt werde."

§ ,3.

,,Daher ist Krankheit (die nicht der manuellen Chirurgie anheimfällt), keineswegs wie von den Allöopathen geschieht, als eine vom lebenden Ganzen, vom Organism und von der ihn belebenden Dynamis gesondertes, innerliches verborgenes, obwohl noch so fein gedachtes Wesen (ein Unding , was bloß in materiellen Köpfen entstehen konnte und der bisherigen Medicin seit Jahrtausenden alle die verderblichen Richtungen gegeben hat die sie zu einer wahren Unheilkunst schufen) zu betrachten."

Es kann durchaus seine Berechtigung haben, die Dinge isoliert und für sich zu betrachten, vor allem, wenn es auf technische und funktionale Tätigkeit beschränkt bleibt. Es ist für den Menschen notwendig und zweckmäßig, Dinge in seinem Denken bis zu einem gewissen Grade zu unterteilen und zu isolieren, denn in der praktischen Arbeit können wir das Ganze nicht auf einmal in Angriff nehmen. Diese Art des Denkens sollte jedoch nicht die vorherrschende bzw. richtungsweisende bleiben, wie seit Jahrtausenden, was die Kluft zwischen Natur und Mensch, Mensch und Mensch immer weiter aufgerissen hat. Der Mensch selbst, mit seinem Handeln, das auf sein Denken folgt, führt die Fragmentierung herbei, die nunmehr mittlerweile ein autonomes Dasein, unabhängig von seinem Wollen und Wünschen, zu leben scheint.

Ein ganzheitliches Bewusstsein und Verständnis von der Welt sollte der letztendliche Maßstab für unser Denken und Handeln sein.

* Von jeher suchte die alte Schule, da man sich oft nicht anders zu helfen wußte, in Krankheiten ein einzelnes der mehreren Symptome durch Arzneien zu bekämpfen und wo möglich zu unterdrücken - eine Einseitigkeit, welche, unter dem Namen: Symptomatische Curart, mit Recht allgemeine Verachtung erregt hat, weil durch sie nicht nur nichts gewonnen, sondern auch viel verdorben wird. Ein einzelnes der Symptome ist so wenig die Krankheit selbst, als ein einzelner Fuß der Mensch selbst ist. Dieses Verfahren war um so verwerflicher, da man ein solches einzelnes Symptom nur durch ein entgegengesetztes Mittel (also bloß enantiopathisch und palliativ) behandelte, wodurch es nach kurzer Linderung sich nachgängig nur desto mehr verschlimmerte.

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